Berlin-Dossier, Nr. 32

Das war’s. Deutschland ist bei der Fußball-Weltmeisterschaft ausgeschieden und hat es wieder nicht ins Achtelfinale geschafft. Stolperschein für die Mannschaft, die als erklärtes Ziel nichts weniger als den Titelgewinn ausgegeben hatte, war Paraguay, gerade einmal der 41. auf der FIFA-Weltrangliste.

Nun gilt Fußball ja bekanntlich als schönste Nebensache der Welt, so dass man schulterzuckend sagen könnte: Was soll’s. Aber so einfach ist es denn doch nicht. Und auch wenn die taz es nicht wahrhaben will und die Frage für „saublöde“ hält, so liegt sie dennoch in der Tat in der Luft: Was sagt das Auftreten der deutschen Fußballnationalmannschaft über den Zustand Deutschlands aus?

Eine ganze Menge, leider. Ungeachtet der Polemiken des taz-Autors kann man ja nicht wegdiskutieren, dass Anspruch und Wirklichkeit bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ebenso weit auseinanderklaffen wie in weiten Teilen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in diesem Lande.

Zu teuer, zu langsam und zu umständlich: Der KPMG-Standortindex aus dem April dieses Jahres fiel auf ein historisches Tief. „Wenn Politik und Wirtschaft jetzt nicht gegensteuern und die versprochenen Reformen zeitnah umsetzen, verlagern internationale Konzerne Investitionen, Beschäftigung und Wertschöpfung in andere Länder“, sagte KPMG-Bereichsvorstand Andreas Glunz, nach dessen Einschätzung die größte europäische Volkswirtschaft an einem Kipppunkt angekommen ist. Doch Politik und Wirtschaft tun sich schwer und kommen mit den notwendigen Reformen nicht aus dem Knick.

Währenddessen werden immer mehr Mängel in der Qualität der Infrastruktur sichtbar. Ob Brücken, Straßen und Autobahnen, Elektromobiltät, Deutsche Bahn, Strom- oder Mobilfunknetze, Digitalisierung, all das sind Synonyme für immer größer werdende Defizite. Und die Liste ließe sich nahezu beliebig fortsetzen, von der Bildung ganz zu schweigen.

Und auch die Gesellschaft hat sich nicht zu ihrem Vorteil entwickelt. Zunehmender Egoismus gepaart mit wachsender Gedanken- wie Rücksichtslosigkeit trifft auf ein schon sehr merkwürdiges Phänomen: Auf der einen Seite soll sich der Staat aus allem heraushalten, auf der anderen Seite soll er bei jedem Problem helfend eingreifen.

Man könnte noch viele Punkte anführend. Aber es reicht auch so schon, um feststellen zu können: Deutschland ist nur noch Mittelmaß, nicht nur im Fußball. In diesem Zusammenhang sei an den berühmten Satz aus dem Roman „Der Leopard“ erinnert: „Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, muss sich alles ändern.“ Dass es für Deutschland eigentlich heißen muss, „wie es einmal war“, macht das Ganze nicht besser, verdeutlicht aber eindrucksvoll: Es muss sich dringend etwas tun, womit, auch das sei an dieser Stelle klargestellt, nicht die sich selbst anpreisende Alternative für Deutschland gemeint ist. 

Von Detlef Untermann

Detlef Untermann ist ein deutscher Journalist und Kommunikationsmanager, der auf eine über 40-jährige Erfahrung im Medien- und PR-Bereich zurückblicken kann. Mehr unter "Über den Autor" auf dieser Webseite und auf Wikipedia.

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